Japaner haben seit Jahrhunderten eine besondere Beziehung sowohl zum Tod als auch zur Poesie. Waren es zunächst Zen-Meister, die in den Stunden ihres Todes ein Sterbegedicht (jisei) schufen, in dem sie die Essenz ihres Lebens ausdrückten, so wurden diese jisei auch zunehmend bei buddhistischen Laien sowie Tanka- und Haiku-Dichtern beliebt. Im Zweiten Weltkrieg haben auch sehr viele Kamikaze-Flieger und Offiziere ein Todesgedicht hinterlassen.
Diese Gedichte haben oft eine sehr naturverbundene Note
Uko (1686–1743)
Yuku kumo ni
made tsuredatan
hototogisu
Wohin die Wolken ziehen,
dorthin nimm mich mit,
Kuckuck.
Und sogar ein Augenzwinkern ist manchmal zu erkennen.
Ein ganzes Leben lang habe ich mein Schwert geschärft,
und jetzt, Aug in Auge mit dem Tod,
zieh ich es aus der Scheide, und da
ist die Klinge zerbrochen
Ach!
Zen-Mönch Dairin Soto starb 1568