Tag der offenen Tür - Besuch beim Bestatter

10.04.2008 von: Klaudia Pirc-Pätzoldt
Schlagwörter: Veranstaltungen

Der Mensch ist ja ein neugieriges Wesen. Gerne schaue ich mal hinter die Kulissen, mache eine Theaterführung mit oder besuche ein ausnahmsweise offenes Künstleratelier. Eine Feuerwehr von innen habe ich auch schon mal gesehen und Bierbrauereien habe ich schon etliche besucht.

Wenn ein Bestattungsinstitut zum Tag der offenen Tür einlädt, ist das eher ungewöhnlich. Das fand ich jedenfalls letztes Jahr, als ich die Einladung zur Besichtigung eines Oberhausener Bestattungsinstuts bekam. Ich bin doch erst knapp über 30! Was soll ich da? Und außerdem: Wenn ich tot bin, ist es doch gar nicht mehr wichtig zu wissen, wie so ein Institut von innen aussieht. Da muss ich mich ja um meine Beerdigung nicht kümmern. Oder doch? Was ist, wenn jemand aus meiner Familie stirbt? Ich wüßte nicht, was ich tun müsste, wie es beim Bestatter abläuft. Ganz zu schweigen von meinem extremen emotionalen Zustand, in dem ich mich in so einer Situation wahrscheinlich befinden würde. Treffe ich dann die richtigen Entscheidungen?

Und dann bin ich an einem schönen, sonnigen Samstagvormittag über die Schwelle des Beerdigungsinstituts getreten. Und, Überraschung, ich war nicht die einzige! 

In einem freundlich hergerichteten Raum saßen zirka 20 Besucher: Männer, Frauen, junge und ältere, die Bestatterin und eine Auszubildende. Wir tranken Kaffee und aßen Streuselkuchen, was sonst :-) . Und die Fragen sprudelten nur so aus uns heraus: Warum wird man Bestatter? Gewöhnt man sich an den täglichen Umgang mit toten Menschen? Darf ich die Asche eines Verstorbenen zu Hause aufbewahren? Muss der Verstorbene unbedingt einen Anzug tragen oder darf ich die Kleidung frei wählen? Was passiert bei einer Seebestattung? Was macht Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Spaß? Wie kann man Trauer am besten bewältigen? Was kann ich vor meinem eigenen Tod eigentlich schon für meine Bestattung festlegen?

Zwei (!) Stunden redeten wir, bevor uns die Bestatterin die Räume zeigte. Bis dahin war ich zwar etwas aufgewühlt, fühlte mich aber irgendwie unerklärlicherweise glücklich. Es war befreiend, über den Tod zu reden. Das war das erste Mal, dass ich so viele Fragen offen und unverkrampft beantwortet bekommen habe. Und es war zudem sehr spannend, etwas über den Alltag eines Bestatters zu erfahren.

Es kommt wohl selten vor, dass eine Gruppe gutgelaunter Menschen aus einem Beerdigungsinstitut heraustritt.

Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, so einen Tag der offenen Tür zu nutzen. Diese Erfahrung hat mich im Gedanken an den Tod um einiges entspannter gemacht und ist auch ein Anstoß für die Entstehung von "ein letzter Brief" und dieses Blogs geworden.



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