Neulich beim Autofahren habe ich mich durch die Programme gezappt und bin auf WDR 5 hängen geblieben. Es ging da scheinbar in einer Gesprächsrunde um Todesanzeigen. Da bin ich natürlich hängengeblieben. Das Thema war "Wichtig für wen - Todesanzeigen".
60% der Deutschen lesen regelmäßig Todesanzeigen. Warum eigentlich? Neugier ist sicherlich der vorwiegende Grund. Bei manchen Anzeigen kann man zwischen den Zeilen lesen und spekulieren, wie der Verstorbene war und wie die Beziehung zu den Hinterbliebenen wohl gewesen ist.

Über wen sagen Todesanzeigen etwas aus? Über die Verstorbenen oder über die Hinterbliebenen? Die Teilnehmer der Gesprächsrunde waren eher der Meinung, dass eine Todesanzeige besonders für die Verbliebenen eine wichtige Rolle spielt. Vordergründig geht es um Information. Man möchte mit einer Anzeige nahe und entfernte Bekannte und Verwandte über den Tod informieren. Aber da drängt sich doch ganz schnell die Frage auf, inwiefern man damit tatsächlich jemand erreichen kann. Eine Todesanzeigen wird schließlich eher lokal veröffentlicht. Und außerdem lesen immer weniger Menschen die Tageszeitung. Es ist für mich ein gefühltes "immer weniger". Stichhaltige Daten habe ich nicht. Aber wenn Menschen dazu übergehen sich ihre Informationen, auch die lokalen, über's Internet zu beschaffen, bleibt die Frage welche Zukunft die Todesanzeige überhaupt hat.
Todesanzeigen schalten viele auch aus Pflichtbewußtsein. Auch der gefühlte oder tatsächliche gesellschaftliche Status kann sich in Todesanzeigen ausdrücken. Dabei gilt scheinbar, je größer die Anzeige, desto besser. Eine halbseitige Anzeige wäre also gut für's Selbstbewußtsein. Und man hört die Leute bei einer kleinen schon tuscheln: "Der Opa ist denen wohl nur eine kleine Anzeige wert." Ja, so ist der Mensch... Die Tatsache, das manche Menschen das erste und einzige Mal in Form einer Todesanzeige in der Zeitung stehen kann nachdenklich stimmen. Das gilt beinahe im gleichen Maße für die Unterzeichnenden der Anzeige.
Selbstverfasste Todesanzeigen sind eher ungewöhnlich. Eine haben wir vor Kurzem hier auf unserem Blog veröffentlicht. Die
Todesanzeigensammlung von Christian Sprang, die ich zufällig entdeckt habe, zeigt einige weitere Beispiele.
Ein WDR-5 Zuhörer meint: "Todesanzeigen mahnen mich, mein Leben sinnvoll zu füllen. Vor allem, wenn es sich um Verstorbene in meinem Alter handelt."
Den WDR5-Podcast zum Thema kann man sich hier anhören:
WDR5-Podcast
Quelle:
www.wdr5.de/nachhoeren/hallo-ue-wagen.html